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Für solche Spiele spielt man Fußball

SV Kripp – SG OASF/Barweiler 3:3 (1:0)

Zum Nachholspiel auf dem Kunstrasen in Kripp reiste die 1. Mannschaft mit dem kompletten Kader an. Trotzdem war allen bewusst, dass es einer sehr starken Leistung bedürfen würde, um beim Tabellenzweiten, der vor dem Spiel mit Ausnahme einer Niederlage alle Heimpartien für sich hatte entscheiden können, etwas mitzunehmen. Wissend um die spielerische Klasse des Gegners setzte Walter Porz vor allem auf ein dicht gestaffeltes Zentrum, um dort die erwarteten zahlreichen Angriffe der Gastgeber unterbinden zu können.

Wie es nicht anders zu erwarten war, übernahm Kripp sofort die Initiative und drängte Oberahrtal vehement in die eigene Hälfte. Dies hätte nach nicht einmal drei Minuten bereits beinahe Früchte getragen. Nach einem lang gezogenen Freistoß kam ein Spieler freistehend zum Kopfball. Dieser Ball konnte gerade noch geklärt werden, fand aber im Rückraum einen Abnehmer, der sofort aus über 20 Metern Maß nahm. Die folgende Bogenlampe konnte Marcel Ley stark mit einer Hand an den Pfosten lenken. Im Anschluss aber fanden die Gäste besser ins Spiel. Kripp versuchte zwar mit ständigen Positionswechseln Unruhe in der OASF-Defensive zu stiften, zu zwingenden Abschlüssen kamen sie aber selten. So fiel das 1:0 doch recht überraschend. Ein Einwurf landete rechts im Strafraum, wo sich ein SVK-Spieler durchsetzte und den Ball flach in die Mitte passte, wo sein freistehender Mitspieler wenig Mühe hatte, den Angriff mit einem Schuss ins lange Eck zu vollenden. Auch anschließend hatten die Gastgeber mehr vom Spiel. Glücklicherweise konnten sie aber kein Kapital daraus schlagen, dass die Gäste den Ball im Strafraum einige Male nur halbherzig klärten, da immer noch irgendein Oberahrtaler einen Fuß an den Ball bekam. Bei einem der bis dahin wenigen Entlastungsangriffe kamen die Gäste durch Manuel Emmerichs ihrerseits zu einer guten Chance. Nach Vorlage von Peter Klein drang er von links in den Strafraum ein und verfehlte anschließend aus spitzem Winkel nur knapp das Tor. Zum Ende der ersten Halbzeit wurde das Spiel zunehmend ausgeglichener, da der Spielaufbau der Kripper früher unterbunden werden konnte. So kamen die Gäste mit dem Halbzeitpfiff zu ihrer bis dahin besten Chance. Silvio Schüller scheiterte nach einem indirekten Freistoß mit einem Gewaltschuss am gut reagierenden SVK-Torwart. So ging es mit einem knappen Rückstand in die Pause.

Die OASF-Spieler aber wussten, dass an diesem Tag mehr möglich war als eine knappe Niederlage. Dementsprechend wollten sie das Spiel im zweiten Durchgang angehen. Zunächst aber war Kripp wieder einmal am Zug. Nachdem schon einige aussichtsreiche Situationen nicht konsequent zu Ende gespielte hatten, stellten sie nach 55 Minuten ihre spielerische Klasse unter Beweis und erzielten so das 2:0. Mit dem schönsten Spielzug der Partie wurde ein Spieler rechts im Strafraum freigespielt und fand mit seinem folgenden Querpass am Fünfmeterraum einen Mitspieler, der sich für die Vorlage mit einem platzierten Schuss bedankte. Kripp versuchte fortan, das Spiel endgültig zu entscheiden und belagerte die Oberahrtaler Hälfte. Nach einem Ballgewinn der OASF-Defensive allerdings nahm der gerade eingewechselte Sebastian Sesterheim Fahrt auf und war vom Libero der Gastgeber nur durch ein grobes Foul zu stoppen. Folgerichtig schickte ihn Schiedsrichter Rudolf Weiß mit der roten Karte vom Platz. Auf die so geschaffene Überzahl reagierte Walter Porz sofort und verstärkte die Offensive, indem er für Abräumer Max Niggemann mit Martin Emmerichs einen weiteren Stürmer ins Spiel brachte. Es sollte nicht lange dauern, da machte sich die offensivere Ausrichtung auch direkt bezahlt. Einen langen Ball stoppte Yannick Dreser mit vollem Körpereinsatz und schickte Sebastian Sesterheim per Steilpass in den Strafraum. Dieser passte flach auf den kurzen Pfosten, wo Fabian Hideg einlief und den Ball im kurzen Eck unterbrachte. Spätestens jetzt war allen Oberahrtalern klar, dass hier und heute etwas zu holen war. Und so kam es, dass in der Folgezeit selbst die mitgereisten Zuschauer Verletzungen riskierten, um die ins Seitenaus beförderten Bälle schneller wieder ins Spiel zu bringen. Immer wieder feuerten sie und die Auswechselspieler die Gästespieler auf dem Feld frenetisch an. Chancen blieben trotz aller Bemühungen Mangelware. Die einzige vergab Sebastian Sesterheim, der zunächst zwei Verteidiger ausspielte und dann mit einem Volleyschuss das lange Eck verfehlte. Natürlich wurde die Defensive mit zunehmender Spieldauer etwas vernachlässigt, sodass die Gastgeber zu vereinzelten Konterchancen kamen. Nachdem ein Spieler die erste aus einer klaren, aber nicht geahndeten Abseitsposition heraus nach 80 Minuten noch vergeben hatte, war eigentlich auch die zweite in der 85. Minute schon vereitelt. Durch unnötige Spielerei im eigenen Strafraum wurde die Situation jedoch wieder gefährlich gemacht, sodass Marcel Ley dem Ball am Fünfmeterraum entgegenspringen und ihn in die Hände nehmen musste, um Torgefahr zu verhindern. Dies legte der Unparteiische als Rückpass aus. Dass diese Entscheidung zumindest diskutabel war, änderte nichts daran, dass durch ein einfaches Klären zur Seite nichts passiert wäre. Die Folge war ein indirekter Freistoß aus bester Position, den die Gastgeber mit einem satten Schuss unter die Latte zum 3:1 verwandeln konnten. Enttäuscht und resigniert traten einige Zuschauer der Gäste vorzeitig die Heimreise an. Sie sollten es bitter bereuen. Auch die Kripper, die wohl nach diesem Tor schon einen Haken hinter das Spiel gemacht hatten, sollten eines Besseren belehrt werden. In der letzten Minute bekam Oberahrtal nach einem Foul an Sebastian Sesterheim auf der rechten Seite 30 Meter vor dem Tor einen Freistoß zugesprochen. Diesen verwandelte Silvio Schüller mit einem Schuss um die Mauer herum in die kurze Ecke. Es herrschte komplette Stille auf dem Platz. Direkt danach zeigte Schiedsrichter Weiß die Nachspielzeit an. Drei Minuten lang sollte noch gespielt werden. Kripp versuchte durch Wechsel, Zeit von der Uhr zu nehmen. Mit der Einwechslung von Philipp Cläsgens setzte auch Walter Porz noch einmal einen neuen Impuls. Dieser fügte sich gleich in der dritten Minute der Nachspielzeit mit einem gewonnenen Zweikampf ein, der einen Einwurf für den SVK in dessen Hälfte zur Folge hatte. Dieser wurde aus Dummheit mehrere Meter zu weit vorne ausgeführt. Als logische Konsequenz bekam Oberahrtal seinerseits den Einwurf zugesprochen. Diesen verlängerte Markus Müller mit vollem Einsatz auf die rechte Außenbahn. Dort stand Julian Leibrock vollkommen frei und brachte den Ball hoch und perfekt platziert in die Mitte, wo Fabian Hideg zum Kopfball ansetzte und den Ball in der 94. Minute mustergültig aus fünf Metern im Netz unterbrachte. Was anschließend auf Seiten der Gäste ablief, ist mit Worten kaum auszudrücken. Sämtliche Auswechselspieler, Betreuer und teilweise sogar Zuschauer der Oberahrtaler konnten sich vor Freude nicht halten und liefen auf das Spielfeld, um mit den auf dem Feld ebenfalls enthusiastisch feiernden Spielern einen Punktgewinn zu bejubeln, wie er schöner nicht sein kann. Der Schiedsrichter pfiff das Spiel im Anschluss an das Tor sofort ab. Und so machten sich zum Ende die Worte bezahlt, die Walter Porz vor dem Spiel seinen Spielern mit auf den Weg gegeben hatte: „Niemals aufgaben, egal wie es steht!“

Fazit: In diesem unglaublichen Spiel hatten nach dem unnötigen Gegentor zum 3:1 wohl nur die allerwenigsten noch an diesen Spielausgang geglaubt. Bei einer Mannschaft, die sicherlich die beste Spielanlage in der Liga hat, auf diese Weise noch einen Punkt zu holen, ist mindestens ein gefühlter Sieg. Dieses Spiel zeigte auch, dass man niemals den Mut verlieren darf und bis zum Ende alles geben muss, egal wie aussichtlos die Lage scheint. Nebenbei hat die Mannschaft den Vorsprung auf den Tabellenvorletzten auf vier Punkte ausgebaut, obwohl dieser schon drei Spiele mehr absolviert hat.

Es spielten: Marcel Ley – Silvio Schüller – Christian Kaster, Markus Müller – Yannick Dreser, Julian Leibrock, Fabian Hideg, Marcel Ewinger (90. Philipp Cläsgens), Manuel Emmerichs – Max Niggemann (62. Martin Emmerichs) – Peter Klein (56. Sebastian Sesterheim)